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Gefahrenzeichen
Gefahrenzeichen sind Hinweise auf vorhandene Gefahren. Sie können eine erwartete bzw. prognostizierte Gefahr bestätigen oder auf Gefahren hinweisen, mit denen nicht gerechnet wurde. Sie sind also wichtig, um im Gelände die Annahmen der Planung zu bestärken oder zu entkräften – oder auf andere, nicht einkalkulierte Gefahren aufmerksam zu machen. Dieses Verifizieren und Scannen der Verhältnisse muss einerseits laufend durchgeführt werden und sich andererseits in Entscheidungen sowie Handlungen niederschlagen.
Gefahrenzeichen „Neuschneeproblem“
Die frischen Schneebrettabgänge (Alarmzeichen) passen zu den vorhandenen Triebschneepaketen bzw. Windzeichen (Gefahrenzeichen). Der Anraum (Gefahrenzeichen) auf dem Seil der Materialseilbahn ist ebenso erkennbar wie die zahlreichen herausragenden bzw. knapp zugedeckten Steine (Gefahrenzeichen).
Gefahrenzeichen „Triebschneeproblem“
Ab ca. 15 km/h („schwacher Wind“) wird Schnee, während er fällt bzw. danach, verfrachtet und in den windabgewandten (Lee-)Hängen als Triebschnee abgelagert. Das durch Triebschnee entstandene „Schneebrett“ ist eine Voraussetzung für eine trockene Schneebrettlawine (zusammen mit einer flächig vorhandenen Schwachschicht, einer Hangsteilheit über 30 Grad und einer Zusatzbelastung). Gefahrenzeichen für Triebschnee sind an der Schneeoberfläche in verschiedenen Formen erkennbar. Manche Zeichen sind akut (Schneefegen-/treiben, Schneefahnen), die meisten müssen bezüglich ihrer Bedeutsamkeit bewertet werden (Schneedünen, Schneegangeln/Sastrugi, Kolke, Kometenschweif). Wenige zeigen meist die Hauptwindrichtung über einen längeren Zeitraum an (Wechten, Anraum).
Viele dieser Gefahrenzeichen zum Triebschneeproblem verschwinden, wenn frischer Schnee ohne Windeinwirkung darüber fällt – was nicht bedeutet, dass sie dann nicht mehr gefährlich sind!
In der folgenden Galerie sind verschiedene Gefahrenzeichen zum „Triebschneeproblem“ abgebildet. Da es darum geht, frische Triebschneepakete zu identifizieren – d. h. festzustellen, ob der verfrachtete Schnee aktuell noch gefährlich ist –, werden die reinen Windzeichen weiter unten in einem eigenen Punkt behandelt. Denn nur weil Windzeichen vorhanden sind, bedeutet das nicht, dass der Triebschnee frisch und gefährlich ist.
Gefahrenzeichen „Altschneeproblem“
Eine frische Schneebrettlawine (ca. 24 Stunden alt) ist wohl das eindeutigste Gefahrenzeichen für ein Altschneeproblem und bedeutet, dass nicht nur ein Schneebrett, sondern auch eine flächig vorhandene Schwachschicht gegeben ist. Somit ist davon auszugehen, dass in vergleichbarem Gelände (Exposition, Höhe, Steilheit, Topografie) ebenfalls mit Lawinen ähnlicher Größe zu rechnen ist. Solche Beobachtungen bestätigen nicht nur ein prognostiziertes Altschneeproblem, sondern je nachdem, bei welcher Zusatzbelastung das Brett ausgelöst wurde, auch die Gefahrenstufe.
Frische Schneebrettlawinen, die vor der Fahrt in den freien Skiraum beobachtet wurden, sind ein Gefahrenzeichen. Gehen sie ab, während man sich im Gelände befindet, sind sie ein eindeutiges Alarmzeichen.
Gefahrenzeichen „Nassschneeproblem“
Ist die Schneedecke stark durchfeuchtet und auch aufgrund von fehlender Abstrahlung nicht mehr tragfähig, verliert sie an Festigkeit und es kommt zur Bildung von Nassschneelawinen. Faktoren, die diese begünstigen, sind Regen, intensive Strahlung, warme Lufttemperatur oder hohe Luftfeuchtigkeit und warmer Wind bzw. das Zusammenspiel mehrerer dieser Faktoren. Nassschneelawinen sind ein eindeutiges Gefahrenzeichen dafür, dass in dieser Exposition und Höhe ein Nassschneeproblem besteht. Es müssen sich nicht gleich große Nassschneelawinen lösen, bereits kleinere Abgänge sind ein Anzeichen dafür, dass die Schneedecke zu „nass“ ist.
Gefahrenzeichen „Gleitschneeproblem“
Die Wahrscheinlichkeit, von einer Gleitschneelawine verschüttet zu werden, ist für Wintersportler*innen gering. Fischmäuler und frisch abgegangene Gleitschneelawinen sind aber ein Gefahrenzeichen für dieses Problem. Diese Zonen werden umfahren oder möglichst rasch und einzeln gequert.
Gefahrenzeichen „Schlechtes Bauchgefühl“
Hat man in der Früh oder vor einem Run ein mieses Gefühl in der Magengrube oder sonst wo, ist das ein Gefahrenzeichen erster Klasse, das ernst genommen werden soll. Dieses Gefühl kann zwar anderen nicht erklärt werden, aber es sollte trotzdem nicht ignoriert werden. Von Freund*innen muss hier erwartet werden, dass auch sie es akzeptieren und man gemeinsam verzichtet bzw. umplant. Auch beim Fehlen jeder Gefahrenzeichen und einem super Gefühl kann beim Freeriden immer etwas passieren. Umso tragischer wäre es, wenn etwas schiefgeht, trotz der Tatsache, dass jemand aus der Gruppe keine guten Vibes gespürt hat – also ein Zeichen gegeben war.
Gefahrenzeichen „Andere Gruppen“
Andere Freerider*innen und Gruppen können die eigenen Pläne zunichtemachen. Ich bzw. meine Gruppe kann zwar einen Hang einzeln befahren, wenn andere aber parallel dazu hineinbrettern, ist man einem höheren Risiko ausgesetzt. Auch Wintersportler*innen, die einen Hang über einem queren, können die Gefahr für sich selbst erhöhen. Manche Linien können nicht gefahren werden, wenn zu viele andere unterwegs sind bzw. keine Kommunikation zu diesen möglich ist.
02
Alarmzeichen
Im Gegensatz zu Gefahrenzeichen erfordern Alarmzeichen sofortiges Handeln. Sie weisen auf „Gefahr ist im Verzug“ hin. Hat man ein Alarmzeichen bemerkt, ist keine Zeit für gemeinschaftliche Grundsatzdiskussionen, großzügiges Umplanen oder einfaches Ignorieren. Umgekehrt sollte man aber auch nicht in einen Action-Modus fallen und panisch irgendetwas Unbedachtes unternehmen. Im Gegenteil – es gilt, das Gelernte und Trainierte abzurufen, mit der eigenen Erfahrung und dem eigenen Wissen die Alarmzeichen zu interpretieren und je nach Situation die bestmögliche Handlung für sich und seine Gruppe zu setzen.
Alarmzeichen „Schlechte Sicht“
Ohne Sicht kannst du das Gelände um dich herum nicht beurteilen. Das Verlassen des gesicherten Skiraums erfordert perfekte Gebietskenntnis und Wissen über die aktuellen Verhältnisse. Doch selbst wenn das vorhanden ist, steigt das Risiko bei schlechter Sicht enorm, denn die ganze Wahrnehmung, Verständigung und Rettung bei einem Not- bzw. Unfall ist dann schwieriger und aufwendiger.
Alarmzeichen „Schlechtes Bauchgefühl“
Hat man beim Verlassen des gesicherten Skiraumes ein mieses Gefühl oder bekommt beim Betrachten eines Hanges ein schlechtes Gefühl, gilt es zu reagieren. Die Bedenken müssen kommuniziert und eine entsprechend defensivere Linie gewählt werden. Und bitte: Versuche nie, jemanden zu etwas zu überreden – und lass dich auch nie zu etwas überreden, bei dem du ein schlechtes Bauchgefühl hast!
Alarmzeichen „Geländefalle“
Wird eine Geländefalle erkannt wird, muss sofort reagiert und dem Gelände ausgewichen werden. Besonders gilt es, Mulden, Abbrüche, Bachläufe, Felsen, Wald usw. unterhalb großer Hänge zu vermeiden.
Alarmzeichen „Frische Lawinen“
Nichts ist beängstigender, als während des Runs bzw. bei der Einfahrt in einen Hang ein Schneebrett auszulösen. Egal, ob man es direkt triggert oder fernauslöst – es ist ein sicheres Zeichen dafür, dass bei der Entscheidungsfindung etwas falschgelaufen ist und korrigiert werden muss.
Alarmzeichen „Wumm-Geräusche und Risse“
Der berühmte Schuss vor den Bug: Man hat die vorhandene Schwachschicht zerstört, sie ist gebrochen und hat sich gesetzt, was durch die herausgedrückte Luft als eindrückliches „Wumm“-Geräusch deutlich zu hören und/oder als sich bildender Riss bzw. Risse zu sehen ist. Wenn du Glück hast, ist es nicht steil genug oder die Schwachschicht zu wenig durchgängig, sodass sich kein Schneebrett lösen kann. Aber viel hat nicht gefehlt und es ist ein klares Alarmzeichen, bei dem die Stopp-Taste gedrückt werden muss! Das bedeutet: Niemanden nachkommen lassen und so schnell und sicher wie möglich raus aus dem Hang.
Häufig hört man solche Setzungsgeräusche („Wumm“-Geräusche) neben Bächen im flachen Gelände, weil sich durch die dort vorhandene feuchte Luft viele und große kantige Kristalle an der Schneeoberfläche bilden, die – wenn sie eingeschneit werden – perfekte Schwachschichten bilden, die eindrücklich kollabieren. Im flachen Bereich stellen sie für Wintersportler*innen aber keine Gefahrenzeichen dar und können auch nicht in andere Hänge übertragen werden.
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Windzeichen
Wie oben unter Gefahrenzeichen „Triebschnee“ erwähnt, sind Windzeichen hilfreich, um Triebschneepakete zu erkennen. Triebschneepakete sind meist gut gebunden und somit ein perfektes Schneebrett und können – wenn eine Schwachschicht und andere Voraussetzungen vorhanden sind – als Schneebrettlawine abgehen. Weil aber nicht alle Windzeichen Gefahrenzeichen sind, die auf frischen Triebschnee hinweisen, haben wir hier alle (oder zumindest die meisten) zusammengefasst dargestellt: