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Nach der Auswertung verschiedener Informationsquellen – etwa der Lawinenprognose – oder nach einer Geländebegehung in der Wahrnehmungsphase muss das Mitglied der Lawinenkommission in der Lage sein, sich einen umfassenden Überblick über die Situation zu verschaffen. Nachfolgend wird eine Einschätzung des aktuellen Szenarios erstellt, gegebenenfalls im Austausch mit anderen Mitgliedern, um die Einschätzung so gut als möglich zu Prüfen. Dieser Teil der Kommissionsarbeit wird als die “Beurteilung” der Situation definiert.
Basierend auf Erfahrungswerten erweist es sich als sehr praktikabel Schwellenwerte zu definieren. Diese können die Beurteilung der Lawinenlage sehr erleichtern und ermöglichen es auch, einen Bezug zu bekannten Ereignissen herzustellen und somit eine getroffene Beurteilung, im Zweifelsfall, zu rechtfertigen.
Beispiele für solche Schwellenwerte sind:
- Neuschneemenge
- Regen
- Wind
- Temperaturanstieg
- Lawinenwarnstufe
Werden bestimmte Schwellenwerte überschritten, stellt sich die Frage, ob ein Lawinenproblem daraus resultieren kann und somit ein akutes Lawinenrisiko besteht.
Bei der Beurteilung, ob es tatsächlich ein Lawinenproblem gibt, geht es in erster Linie um die möglichst genaue und fachlich fundierte Einschätzung, wie hoch ein konkretes Lawinenrisiko anzusetzen ist. Eine zentrale Problematik bei der Risikobewertung ist, dass kein Experte eine tatsächliche Lawinengefahr mit 100-prozentiger Sicherheit einschätzen kann! In Anbetracht dieser schwierigen Ausgangssituation muss als Lawinenkommission dennoch versucht werden, die gemeinsame Erfahrung, die spezielle Lokalkenntnis und das eigene Expertenwissen bestmöglich einzusetzen, damit Lawinenrisiken richtig bewertet werden können.
Ob tatsächlich auch Personen oder Objekte gefährdet sind bzw. wo und wann mit Lawinen zu rechnen ist, hängt von der Einzelbeurteilung ab, in die alle wahrgenommenen Aspekte einfließen müssen. Was die lokale Beurteilung der Lawinengefahr und damit die Gefährdung von Personen oder Objekten angeht, ist es wichtig, sich systematisch mit den Schlüsselkriterien und den entsprechenden Entscheidungsfragen auseinanderzusetzen.
Nachfolgend ist schematisch aufgezeigt, wie der Denkprozess zur Beurteilung des Lawinenrisiko anwendbar sein könnte.
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Beurteilungsprozess
Im dargestellten Arbeitsablauf ist die klare Unterscheidung der Beurteilungsschritte von zentraler Bedeutung. Sämtliche Fragen bis auf die Letzte richten sich auf die allgemeine Einschätzung der lokalen Lawinengefahr. Dabei geht es insbesondere um die Interpretation der Schneedecke, ihrer Stabilität und damit um das Potential möglicher Lawinenauslösungen. Dazu gehört auch die Einschätzung, welche Ausmaße potenzielle Lawinen erreichen können
Die abschließende Frage im Beurteilungsprozess betrifft hingegen die konkrete Gefährdung von Personen oder Objekten und damit die eigentliche Bewertung des Lawinenrisikos. Wird diese Frage mit JA beantwortet, sind Lawinenkommissionen anschließend gefordert, den Entscheidungsträgern geeignete Maßnahmen oder Maßnahmenkombinationen zu empfehlen.
Alle Beobachtungen und Wahrnehmungen sollen daher stets darauf ausgerichtet sein, diese entscheidende Frage fundiert beantworten zu können.