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Wettergrundlagen und wichtige Begriffe, um den Wetterbericht zu verstehen

26.06.2023

Um in den Bergen sicher unterwegs zu sein, sind fundierte Kenntnisse über das Wettergeschehen und das Wissen über die häufigsten Begriffe im Wetterbericht essenziell. Bei der Planung, vor und während einer (alpinen) Tour – egal, ob im Winter oder im Sommer – sollte man sich grundsätzlich mit der Wetterprognose, dem tatsächlichen Wetter bei Beginn der Tour und der Wetterentwicklung im Tagesverlauf auseinandersetzen. Grundvoraussetzung dafür ist, den Wetterbericht zu verstehen und richtig interpretieren zu können.

In diesem Beitrag geht es um:

Das Wetter kann ganz schön spannend sein, vor allem, wenn man sich in den Bergen befindet. Denn dort herrschen besonderen Klimabedingungen: Die Topografie des Gebirges mit seinen Bergen und Tälern wirkt sich auf das Wettergeschehen aus – das mitunter lokal sehr unterschiedlich sein und sich extrem schnell verändern kann. Der alpine Raum ist eine äußerst komplexe, aber auch faszinierende Welt für Meteorolog*innen – aber auch für alle, die sich dort aufhalten.

Der Begriff „Wetter“

Was ist überhaupt damit gemeint, wenn wir vom „Wetter“ sprechen? Der Begriff bezieht sich auf den aktuellen physikalischen Zustand der untersten Schicht der Atmosphäre an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das Wetter setzt sich aus Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Wind zusammen, die verwendet werden, um den Zustand der Atmosphäre zu beschreiben. Bevor aber die genannten Parameter des Wetters beschrieben werden, wird auf die treibende Kraft des Wettergeschehens eingegangen – die Strahlung.

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Strahlung

Die von der Sonne einfallende Strahlung ist die einzige nennenswerte Energiequelle für die Erde. Ein großer Teil der einfallenden Sonnenstrahlung wird bereits in der Atmosphäre zurück ins Weltall reflektiert und erreicht somit nie die Erdoberfläche. Wie viel Strahlung an der Erdoberfläche ankommt, variiert aufgrund von drei Prozessen:

  • Reflexion,
  • Streuung und
  • Absorption

 

Ausschlaggebend sind hier insbesondere die Filterwirkung der Atmosphäre, der Einfallswinkel der Strahlung sowie das Vorhandensein von Wolken und die Intensität der Luftverschmutzung.

Energiebilanz der Erde © snow institute
Energiebilanz der Erde © snow institute

Strahlungswinkel:

Oberflächen, die normal, also im rechten Winkel, zur Lichtquelle stehen, absorbieren einen deutlich größeren Teil der einfallenden Strahlung als jene, die in einem flacheren Winkel zu ihr stehen. Dadurch entstehen die großen Temperaturunterschiede auf der Erde (die in weiterer Folge die Triebfeder unseres Wetters sind). Am Äquator trifft die Sonnenstrahlung senkrechter auf die Erdoberfläche als an den Polen. Dadurch wird mehr Energie absorbiert und der Boden erwärmt sich. An den Polen ist der Einfallswinkel deutlich flacher und ein Großteil der Strahlung wird reflektiert.

 

Strahlung bei Tag:

Am Tag trifft Sonnenstrahlung (kurzwellige Strahlung) auf die Erdoberfläche und erwärmt somit den Boden. Je nachdem ob der Himmel bewölkt oder klar ist, wird die einfallende Strahlung der Sonne aufgrund von Reflexion, Absorption und Streuung durch Wolken reduziert. Gleichzeitig gibt die Erde auch Strahlung (langwellige Strahlung) ab. Insgesamt fällt die Strahlungsbilanz, also das Verhältnis von einfallender zu ausgegebener Strahlung, am Tag aber positiv aus. Es kommt mehr Energie auf der Erde an als abgegeben wird und es kommt zur Erwärmung.

Strahlung bei Nacht:

In einer klaren Nacht ist die einfallende Strahlung nahezu bei null. Die Erde gibt aber weiterhin langwellige Strahlung ab. Die Energiebilanz ist negativ. Die Energie entweicht dem Boden und die Temperaturen sinken. In wolkenbedeckten Nächten verliert die Erdoberfläche weniger Energie, da die Wolken den Großteil der Strahlung zum Boden zurück reflektieren. Der nächtliche Temperaturabfall ist dadurch stark abgeschwächt.

Albedo:

Die Albedo beschreibt das Reflexionsvermögen eines Körpers und ist abhängig von der Art und Beschaffenheit des Körpers. Je heller und glatter ein Körper, desto mehr Strahlung wird reflektiert. Neuschnee beispielweise reflektiert 95 % der einfallenden kurzwelligen Strahlung, im Vergleich dazu reflektiert Nadelwald maximal 12 %.

Die Prozentzahl beschreibt das jeweilige Reflexionsvermögen eines Körpers. Das heißt der Anteil der einfallenden Strahlung, welcher nicht aufgenommen (absorbiert), sondern wieder zurück in die Atmosphäre reflektiert wird. © snow institute
Die Prozentzahl beschreibt das jeweilige Reflexionsvermögen eines Körpers. Das heißt der Anteil der einfallenden Strahlung, welcher nicht aufgenommen (absorbiert), sondern wieder zurück in die Atmosphäre reflektiert wird. © snow institute

Strahlung am Berg:

Die Strahlung nimmt mit jedem Höhenmeter zu, ist also am Berg deutlich stärker. Das liegt daran, dass in der Höhe die über uns liegenden Luftschichten dünner sind und damit weniger Strahlung reflektieren und absorbieren. Die Gefahr sich z. B. einen Sonnenbrand zu holen, ist erheblich höher. Zusätzlich muss am Berg die diffuse Strahlung beachtet werden: Wolken (und auch Nebel) und Schnee streuen die Sonnenstrahlen in alle Richtungen. Im Frühjahr, wenn die Sonne höher steht, kannst du deshalb trotz bewölktem Himmel durch die diffuse Strahlung leicht einen Sonnenbrand bekommen.

EXKURS: Was bedeutet das für die Schneedecke?

Die Farbe, die Albedo, die Feuchtigkeit, die Isolierfähigkeit und die hohe Strahlungsabgabe in die Atmosphäre geben Schnee spezielle Eigenschaften, welche das thermische Verhalten bewirken. Dieses unterscheidet sich stark im Vergleich zu anderen Bodenbelägen. Aufgrund seiner hohen Albedo wird das einfallende Sonnenlicht vom Schnee fast zur Gänze in die Atmosphäre zurück reflektiert, die Absorption ist entsprechend sehr gering. Die Schneedecke nimmt wenig Energie auf, gleichzeitig strahlt sie jedoch laufend eine große Menge an Energie ab. Die Wärmebilanz bleibt dadurch leicht negativ, weshalb der Schnee, besonders im Hochwinter, pulvrig bleiben kann, sogar wenn die Sonne scheint und die Lufttemperatur über 0 °C liegt.

Bei klarem Himmel in der Nacht strahlt die Schneedecke weiterhin viel Energie ab, aber es gibt kaum Energieeintrag. Dadurch kühlt die Schneedecke ab. Der Temperaturrückgang beschränkt sich aufgrund seiner guten isolierenden Eigenschaften auf die oberflächennahen Schichten. So können die Unterschiede der Oberflächentemperatur von Schnee und der Temperatur der tieferliegenden Schichten häufig zwischen 10 °C und 15 °C sein.

Gute Firnverhältnisse im Frühjahr

Ein warmer Tag mit hohem Energieeintrag und eine darauffolgende klare Nacht, die dem Schnee eine optimale Ausstrahlung ermöglicht, sind gute Voraussetzungen für einen bevorstehenden „Firntag“. In der Nacht gefriert die Schneeoberfläche oberflächlich. Am Folgetag wird, bei schönem Wetter, aufgrund von Sonneneinstrahlung diese gefrorene Schicht allmählich wieder weicher. Es bildet sich ein dünner Film aus feuchtem Schnee auf einem harten Harschdeckel, umgangssprachlich als Firn bekannt. Im weiteren Tagesverlauf ist durch die tageszeitliche Erwärmung eine fortschreitende Aufweichung des Harschdeckels bzw. eine Durchnässung der Schneedecke zu beachten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt verliert die Schneedecke an Stabilität und es besteht eine erhöhte Lawinengefahr.

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Lufttemperatur

Die Lufttemperatur ist ein Maß für den Wärmeinhalt der Luft. Die Luft wird nicht direkt über die Sonnenstrahlung erwärmt, sondern indirekt durch die vom Boden ausgehenden langwelligen Strahlen und durch den Prozess der turbulenten Durchmischung. Das bedeutet: Indem die Sonnenstrahlung auf den Untergrund – Gras, Wald, Fels etc. – trifft, erwärmt sich dieser. Daraufhin wird die unterste Luftschicht (wenige Millimeter) durch Wärmeleitung erwärmt. Durch kleinräumige, turbulente Wirbel durchmischt sich diese erwärmte Luft mit der darüber liegenden Luftschicht. Da dieser Prozess Zeit benötigt, wird die höchste Temperatur nicht zeitglich mit dem höchsten Sonnenstand gemessen, sondern zeitverzögert zwei bis drei Stunden nach Mittag.

© snow institute
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Die Lufttemperatur wird grundsätzlich immer zwei Meter über dem Boden und strahlungsgeschützt (im Schatten) gemessen und in Grad Celsius (° C), Kelvin (K) oder Fahrenheit (F) angegeben. Prinzipiell gilt: Je höher der Luftdruck, umso höher die Temperatur – und da der Luftdruck auf Meeresniveau am höchsten ist und mit der Höhe abnimmt, nimmt auch die Temperatur mit der Höhe ab (vertikaler Temperaturgradient). Die Temperaturabnahme mit der Höhe liegt in der Regel bei etwa 0,65 °C pro 100 Höhenmeter. Bei sehr trockener Luft kann es sogar bis zu 1 °C pro 100 Höhenmeter sein.

Eine Besonderheit spielt die Verteilung der Lufttemperatur bei einer Inversionswetterlage. Dann sind die höheren Luftschichten wärmer als die niederen. Diese Umkehrwetterlage entsteht häufig in den Herbst- und Wintermonaten, wenn sich Kaltluft in Tälern und Niederungen sammelt. Dann ist es in den Tälern trüb und kühl, auf den Bergen dagegen sonnig und mild. Bei winterlichen Hochdrucklagen kann eine Inversionswetterlage sehr beständig sein.

Note: Hier ist ein Blick in die Webcam eine gute Idee, um die Verhältnisse am Berg besser einschätzen zu können.

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Luftdruck

Als Luftdruck bezeichnet man die Gewichtskraft der Luft auf eine bestimmte Fläche. Er wird in Hektopascal (hPA) oder Millibar (mbar) angegeben (1 hPa = 1 mbar). Mit der Seehöhe nimmt der Luftdruck ab. Der mittlere Druck der Luft auf Meereshöhe beträgt 1013 hPa, was dem Druck einer 10 m hohen Wassersäule entspricht.  Die Meteorologen verwenden für Prognosen und Analysen meist die Seehöhe, bei welcher der Luftdruck 850 hPa beträgt, was ungefähr bei einer Seehöhe von 1500 m der Fall ist. Der Luftdruck ist aber nicht nur höhenabhängig, sondern verändert sich auch horizontal. Die großräumige Luftdruckverteilung bestimmt die momentane Wetterlage, weshalb Wetterumschwünge häufig auch mit Luftdruckänderungen verbunden sind.

Luftdruckabnahme mit der Höhe:

In großen Höhen, über 2.500 m, nimmt der Luftdruck exponentiell ab. Das bedeutet, dass in demselben Menge Luft, die wir einatmen, weniger Luftteilchen vorhanden sind. Unser Körper muss daher härter arbeiten (u.a. schnellere und tiefere Atmung), um die benötigte Menge an Sauerstoff aufnehmen zu können. Die dünne Luft kann sich für den Menschen unangenehm bemerkbar machen. Höhenkrankheit mit Atemnot, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit usw. können ab ca. 2.000 bis 2.500 m Höhe die Folge sein. Durch entsprechende Akklimatisierung kann man sich der Körper langsam an eine Höhe bis ca. 5.300 m anpassen, darüber kann man sich nicht mehr dauerhaft aufhalten. Das Besteigen der höchsten Berge über 8.000 m ist ohne Sauerstoff möglich, die allermeisten Expeditionsteilnehmer verwenden aber Sauerstoff, den sie in Flaschen mittragen und ab einer gewissen Höhe und je nach Anstrengung über eine Maske atmen. 

Luftdruckabnahme mit der Höhe © snow institute
Luftdruckabnahme mit der Höhe © snow institute

Hochdruckgebiete und Tiefdruckgebiete

Tiefdruckgebiete entstehen, wenn aufgrund von einwirkender Sonnenstrahlung die Luft erwärmt wird. Erwärmte Luft dehnt sich aus, hat dadurch im Vergleich zur Umgebung eine geringere Dichte und steigt auf. Durch die Erwärmung der Luftmassen kann mehr Wasserdampf aufgenommen und nach oben transportiert werden. Was bei der darauffolgenden Abkühlung, Wolkenbildung zur Folge hat. Deshalb werden Tiefdruckgebiete oft mit bewölktem und regnerischem Wetter in Verbindung gesetzt.

Hochdruckgebiete entstehen, wenn kalte Luftmassen – aufgrund von einer höheren Dichte – absinken. Hochdruckgebiete werden oft mit Schönwetter in Verbindung gebracht, da die Luft beim Absinken getrocknet/erwärmt wird und Wolken sich auflösen.

Die Position von Hoch- und Tiefdruckgebieten prägt die Wetterlage.

Hoch und Tiefdruckgebiete © snow institute
Hoch und Tiefdruckgebiete © snow institute
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Wind

Am Berg kann Wind sehr schnell unangenehm und – besonders im Winter – mitunter sogar gefährlich werden. Wind führt dazu, dass die gefühlte Temperatur kälter als die Lufttemperatur wird (siehe Windchill-Effekt) und der Körper ohne entsprechenden Schutz stärker auskühlt.

Starker Wind (ab ca. 40 km/h) kann größere Gegenstände in Bewegung setzen und Personen aus dem Gleichgewicht bringen. Hält man sich bei solchen Windspitzen im unwegsamen schwierigen Gelände auf, kann es schnell gefährlich werden.

Auch bezüglich der Lawinengefahr spielt der Wind eine entscheidende Rolle, er wird sogar als „Baumeister der Lawinen“ bezeichnet, ist er doch für die Bildung von schneebrettfähigem Triebschnee verantwortlich. Solche Schneeverfrachtungen sind bereits ab einer Windstärke von ca. 15 km/h möglich.

Übrigens: Die Windrichtung bezeichnet immer, woher der Wind kommt. Westwind beispielsweise kommt aus dem Westen, und der Bergwind weht vom Berg herab.

Wird der Schnee nur in Bodennähe vom Wind verfrachtet, spricht man von Schneefegen. Wird dadurch die Sicht beeinträchtigt – befindet sich der aufgewirbelte Schnee also auf Augenhöhe bzw. darüber – spricht man von Schneetreiben.

Wie entsteht Wind?

Ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Wind ist die Erwärmung der Erdoberfläche und der umgebenden Luft durch die Sonne. Erwärmte Luft steigt nach oben und kühlt ab. In kälteren Gebieten sinken kalte, trockene Luftmassen nach unten. Es kommt zu einer Verteilung von unterschiedlichen Luftdrücken. Um diese Luftdruckunterschiede auszugleichen, fließt die Luft von den Gebieten mit hohem Luftdruck zu jenen mit niedrigerem. Dadurch geraten die Luftschichten in Bewegung – das Ergebnis davon ist Wind. Kältere Luft strömt dorthin, wo warme Luft aufsteigt.

Einfluss der Gebirgsoberflächen (Relief) auf den Wind

Die Windgeschwindigkeit nimmt aufgrund der Bodenreibung mit der Höhe zu, weshalb es auf den Bergen grundsätzlich windiger ist als in den Tälern. Eine Ausnahme sind hier etwas Pässe und Scharten, wo der sogenannte Düseneffekt dafür sorgen kann, dass es dort windiger ist als auf den Gipfeln. Das geschieht, weil der Wind versucht, um Hindernisse wie Berge herumzufließen und tiefere Übergänge (Pässe, Scharten) sucht.

Das Gebirge kann aufgrund seines Reliefs und Exposition unterschiedliche Wirkungen auf den Wind haben. So kann das Gebirge den Wind beschleunigen, umlenken als auch seine laminare Strömung stören, sodass Turbulenzen entstehen. Daher können im Gebirge die Hauptwindrichtungen in höheren Lagen auch unterschiedlich zu den – in der Wetterprognose vorhergesagten – Winden in Talsystemen sein.

Talverengungen führen zu einer höheren Geschwindigkeit der Luftströmung. Weht der Wind durch eine Verengung (z. B. enger Talabschnitt) werden die Strömungslinien am Eingang quer zur Strömungsrichtung zusammengedrückt, was eine Kompression der Luft (und damit eine Erhöhung des Luftdruckes) zur Folge hat.

In größeren Höhen über dem Boden ist die Luftströmung normalerweise laminar, also gleichmäßig. Allerdings kann die Luftströmung durch die ungleichmäßig beschaffenen Oberflächen von Gebirgen turbulent werden. Wenn Winde auf Hindernisse wie Berge treffen, verringert sich die Windgeschwindigkeit auf der windabgewandten Seite (Lee-Seite). An dieser Stelle bilden sich wiederholt Wirbel in der Luftströmung. Diese Wirbel können sich in Form von plötzlichen Windböen bemerkbar machen. Obwohl die Windgeschwindigkeit im Lee geringer ist als in der windzugewandten Seite (Luv-Seite), tritt dort also eine erhöhte Böigkeit auf.

Die Windrichtung bezeichnet immer, woher der Wind kommt, das heißt beispielsweise ein Westwind kommt aus dem Westen und der Bergwind weht vom Berg herab.

EXKURS: Windzeichen im Schnee

Die Schneedecke zeigt sich als wahre Verwandlungskünstlerin. Auf der einen Seite sinkt man hüfttief ein, das andere Mal bleibt man auf ihr stehen, ohne einzubrechen. Beeindruckende imposante Schneewechten zeigen, wie stark der Wind die Schneedecke im Hochgebirge prägt. Durch den Einfluss des Windes ändert sich nicht nur die Schneemenge auf einer bestimmten Fläche, sondern auch die Schichtung sowie die Dichte der Schneeschichten. Meist bleibt einem diese andauernde Veränderung von außen verborgen. Nicht nur der bereits abgelagerte Schnee, sondern auch der fallende Schnee wird vom Wind geprägt. Besonders bei lockerem, trockenem Schnee führt der Wind immer zu Verfrachtungen. Es bilden sich Winddeckel im Luv (windzugewandte Seite) und Triebschneeablagerungen im Lee (windabgeneigte Seite). Auch wird der Schnee von z. B. Kuppen und Rücken abgeblasen und dann in Rinnen und Mulden wieder abgelagert.

Berg- und Talwindsystem/Hangauf- und Hangabwinde

Die Berg- und Talwind-Zirkulation sind thermisch bedingte Windsysteme, welche im Gebirge aufgrund von horizontalen Temperaturdifferenzen auftreten.

  • Nach dem Sonnenaufgang wird der Erdboden stark erwärmt, wodurch auch die hangnahe Luft stärker erwärmt wird, als die entferntere Luft, wodurch am Vormittag ein Hangaufwind einsetzt.
  • Um diese Luftmassen zu ersetzten, kommt es zu Ausgleichsströmungen aus dem Vorland der Täler durch die Täler – der Talwind.
  • Mit dem Sonnenuntergang (oder auch kurz davor) kommen Hangauf- und Talwind zum Erliegen. Nach kurzzeitigem Stillstand kommt es dann zur Umkehr des Windsystems.
  • Die Berghänge strahlen viel Wärme aus und kühlen schneller ab, als die Luft über dem Tal. Die kühle und somit dichtere Luft sinkt und strömt die Hänge hinab – der Hangabwind.
  • Die kühle Luft von den umliegenden Hängen fließt am Talgrund zusammen und beginnt dann allmählich (aufgrund des begrenzten Talvolumens) talauswärts zu strömen – der Bergwind. Dieser kommt wiederum mit Sonnenaufgang zum Stillstand.
Berg- und Talwindsystem © snow institute
Berg- und Talwindsystem © snow institute

Gletscherwind

Die Temperaturen der Oberfläche eines Gletschers übertreffen zu keiner Jahreszeit 0°C. Im Sommer sind die Temperaturunterschiede zwischen Gletschereis und Luft meist größer als im Winter. Aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung wird die Luft in eisfreien Bereichen rund um einen Gletscher erwärmt und steigt als Talwind auf. Sobald diese Luft mit der kalten Oberfläche des Gletschers in Berührung kommt, kühlt sie ab. Die Luft wird schwerer und sinkt. Ein Gletscherwind strömt den Berg hinunter. Gletscherwinde treten besonders an Gletscherzungen auf und können bis in tiefe Lagen ins Tal hinab reichen. Diese Winde sind direkt unterhalb einer Gletscherfront als kühle feuchte Winde spürbar. Aufgrund ihrer Trägheit können die Winde ihre Wirkung auch mehrere hundert Meter über das Ende des Gletschers hinaus entfalten. Zugleich strömt in der wärmeren Luftschicht oberhalb dieser sanften Gletscherbrise der täglich auftretende Hang- und Talwind. In größeren Höhen wird wiederum die Strömung vom vorherrschenden Wetter und den generellen Winden in der Region beeinflusst.

Windchill-Effekt

Der Windchill-Faktor zeigt, wie sich Temperatur und Wind auf unsere Haut bzw. auf unseren Körper auswirken. Jeder kennt das Gefühl, dass Wind uns abkühlt. Was an heißen Tagen wohltuend sein kann, wird bei Kälte sehr unangenehm und sogar gefährlich. Der Wind entzieht der Haut – wenn man nicht/leicht bekleidet ist – Energie, beschleunigt den Austausch mit der Umgebung und verstärkt die Verdunstung von Schweiß. Der Prozess der Verdunstung entzieht der Umgebung zusätzlich Energie, sprich wenn dieser durch Wind verstärkt, kann dies zu einer schnelleren Auskühlung führen.

Um uns im Winter und beim Skifahren vor der Kälte zu schützen, tragen wir warme Kleidung. d.h. dieses Gewand schließt Luft in ihren Fasern ein – z. B. Wolle, Synthetik-Fasern oder Daune. Dieser Luftpolster wird von der Körperwärme erwärmt und bildet somit eine isolierende Schicht. Sollte diese Kleidung jedoch durch Regen oder Schnee durchnässt werden, dringt der Wind durch die Kleidung durch, und die Kleidung verliert somit ihre wärmeisolierende Wirkung. Je nach zu erwartenden Wetterverhältnissen muss man also das richtige Gewand wählen. Denn während der Wind kalte Temperaturen nochmals gefühlt kälter macht und man deswegen die am besten isolierende Bekleidung anhaben möchte, verhindert dieselbe Bekleidung bei warmen Temperaturen, Windstille und körperlicher Anstrengung die Temperaturregulation des Körpers, man schwitzt stärker, überhitzt, usw. was dann ebenso kritisch werden kann.

In der folgenden Tabelle sehen wir, wie sich die Windgeschwindigkeit auf die gefühlte Temperatur auswirkt:

© snow institute
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Luftfeuchtigkeit

Wasser kommt in der Atmosphäre in drei verschiedenen Formen (Aggregatzustände) vor: gasförmig (Wasserdampf), flüssig und fest. Wie viel Wasserdampf in der Luft enthalten sein kann, ist stark von der Temperatur abhängig – kalte Luft kann nicht so viel Wasserdampf aufnehmen wie warme Luft. Wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist bzw. ob und wann es zur Sättigung und zur Kondensation kommt, ist insbesondere für Wintersportler*innen nicht uninteressant zu wissen.  Es gibt zwei Möglichkeiten wie die Luftfeuchtigkeit angegeben werden kann.

  • Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Prozent der Aufnahmefähigkeit der Luft gerade erreicht sind – spricht man also von 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, ist die Luft gesättigt und kann nichts mehr aufnehmen. Bei 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ist der Speicher sozusagen halb voll und kann entweder durch Zufuhr von Wasserdampf (z. B. durch Verdunstung) oder durch Abkühlung der Luft erhöht werden.
  • Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die ein Luftpaket abgekühlt werden muss, damit Sättigung eintritt. Jedes Luftpaket enthält Wasserdampf und kann so weit abgekühlt werden, bis dieser Wasserdampf nicht mehr gehalten werden kann oder eine Sättigung eintritt. Hat ein Luftpaket bereits die höchstmögliche Menge an Wasserdampf aufgenommen und kühlt weiter ab, kommt es zur Kondensation. Es entsteht Tau oder bei einer Lufttemperatur von unter 0 °C Reif. Es können sich aber auch winzige Tröpfchen in der Luft bilden, die wir als Nebel wahrnehmen. Die Temperatur, bei der es zur Kondensation kommt, wird als Taupunkt bezeichnet.

Ist der Taupunkt niedrig (unter –10 °C), d.h. es ist wenig Wasserdampf in der Luft enthalten, kann die Schneedecke stark ausstrahlen (gibt viel Energie ab). Das zeigt sich für Wintersportler*innen in harten Pisten oder gefrorenen Schneeoberflächen. Ein hoher Taupunkt (höher als –5 °C), der nahe an der Lufttemperatur liegt, bedeutet, dass die Luft (nahezu) gesättigt ist und es womöglich Nebel, Schnee oder Regen gibt.

Die Aggregatzustände des Wassers: fest, flüssig und gasförmig. Die Pfeile zeigen die Übergänge und Prozesse zwischen den Zuständen. Bei der Kondensation, Deposition und beim Gefrieren wird Energie frei, für die Sublimation, das Schmelzen und zur Verdunstung muss Energie zugeführt werden. © snow institute
Die Aggregatzustände des Wassers: fest, flüssig und gasförmig. Die Pfeile zeigen die Übergänge und Prozesse zwischen den Zuständen. Bei der Kondensation, Deposition und beim Gefrieren wird Energie frei, für die Sublimation, das Schmelzen und zur Verdunstung muss Energie zugeführt werden. © snow institute
Daten einer Wetterstation: Sind Taupunkt und Lufttemperatur fast oder ganz gleich, gibt es oft Nebel oder Niederschlag. Ist der Taupunkt sehr niedrig, ist die Luft trocken und klar und die Schneedecke strahlt viel Energie aus. © snow institute
Daten einer Wetterstation: Sind Taupunkt und Lufttemperatur fast oder ganz gleich, gibt es oft Nebel oder Niederschlag. Ist der Taupunkt sehr niedrig, ist die Luft trocken und klar und die Schneedecke strahlt viel Energie aus. © snow institute
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Niederschlag

Planen wir eine Tour, werden wir den Niederschlag genau im Auge behalten. Während im Sommer eher auf Sonnenschein gesetzt wird und Regen nicht als ideales Bergwetter gilt, fiebern wir im Winter dem Niederschlag in Form von Schnee entgegen (anschließend dann natürlich auch der Sonne). Ausschlaggebend für den Schneefall ist die Temperatur innerhalb der Wolke sowie die Lufttemperatur. Sie ist entscheidend dafür, bis in welche Höhe der Niederschlag in Form von Schneekristallen fällt, es also schneit. Die Niederschlagsprognose kann entweder aus dem Wetterbericht herausgelesen werden oder ist anhand von Niederschlagsanimationen ersichtlich. Die Niederschlagsmenge wird meist in mm beschrieben bzw. dargestellt und beschreibt den Niederschlag in flüssiger Form (Regen) – nicht aber die Neuschneemenge.

Was bedeutet es also, wenn 10 mm Niederschlag fallen? 

10 mm Niederschlag bedeuten, dass 10 Liter flüssiger Niederschlag (Regen) pro Quadratmeter fallen. Ausschlaggebend ist, für welchen Zeitraum dieser Niederschlag vorausgesagt wird. Fällt dieser in einer Stunde oder verteilt er sich auf vier Stunden? Im Winter macht es einen großen Unterschied, ob Neuschneemengen innerhalb kurzer Zeit oder über einen längeren Zeitraum hinweg eintreffen.

Schnee hat eine viel niedrigere Dichte als flüssiges Wasser. Daher können 10 mm Niederschlag bei einer Temperatur um den Gefrierpunkt etwa 10 cm Neuschnee bedeuten. Ist es sehr kalt und der Schnee sehr pulvrig (niedrige Dichte), können 10 mm Niederschlag durchaus auch 20 cm Schnee oder bei sehr geringer Dichte auch noch mehr bedeuten.

Und was sagt die Niederschlagswahrscheinlichkeit aus?

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit sagt aus, wie wahrscheinlich es ist, dass es tatsächlich regnen oder schneien wird. Steht in der Wetterprognose beispielsweise, dass für den nächsten Tag die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei 20 Prozent liegt, bedeutet das, dass es in der Vergangenheit an 2 von 10 Tagen mit derselben Wetterlage Niederschlag gegeben hat.

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Wetterprognose / Wetterdienste

Die Nutzung von Wetterprognosen ist ein wichtiger Bestandteil der Tourenplanung. Heutzutage ist es dank Wetter-Apps sehr einfach, auf die aktuellen Wetterberichte zuzugreifen. Zwischen den verschiedenen Produkten gibt es natürlich Qualitätsunterschiede und den jeweiligen Wetterprognosen liegen verschiedene Vorhersagemodelle zugrunde.

Grundsätzlich sind aber alle mehr oder minder zuverlässig. Kurzfristige Wettervorhersagen sind in der Regel zuverlässiger als langfristige Prognosen, die über mehr als fünf Tage hinausgehen. Daher sollte immer kurz vor der Tour ein finaler Wettercheck durchgeführt werden. Die folgende Zusammenstellung ist eine Auswahl von Wetterdiensten bzw. Webseiten, welche eine Wetterprognose anbieten:

 

Österreich:

Schweiz:

Italien:

Deutschland:

International:

Weitere Anbieter/Apps:

Titelbild: © snow institute | argonaut.pro

Lehrmaterial zum Thema: